Gefühlsbekundungen

Ich tu mich oft schwer was das Thema Gefühlsbekundungen angeht. Klar meinem Sohn könnte ich tausendmal am Tag sagen dass ich ihn lieb habe, und möchte ihn dauernd knuddeln. Auch meinem Mann teile ich meine Gefühle offen mit. Aber dann hört es auch schon auf. Ich habe oft das Gefühl nicht das richtige zu sagen. Heute habe ich mich wieder so hilflos gefühlt. Obwohl es nur ein paar standardisierte Beileidsworte gewesen wären. Aber für mich fühlte es sich doof an, meiner besten Freundin mein Beileid auszudrücken, obwohl gestern Abend der Patenonkel ihres Sohnes verstorben ist. Und sie sich jetzt nahezu um alles kümmern muss, weil der Verstorbene sonst keine weiteren Angehörigen hat.

Was ist so schlimm dran, sie in den Arm zu nehmen und mein Beileid auszudrücken??? Ich konnte es nicht. Und selbst wenn ich es morgen könnte, wäre es doch irgendwie zu spät. Sie war heute schließlich zweimal bei mir. Ich hab auf ihren Sohn aufgepasst während sie die Angelegenheiten mit dem Bestatter geregelt hat.

Ich fühle mich schlecht weil ich es nicht konnte. Und ich fühle mich schlecht wei ich es auch irgendwie nicht glauben kann dass M. nicht mehr lebt. Es war bekannt, dass er unheilbar krank ist, und zwar schon seit 2 Jahren, aber er war davon überzeugt das er mit dieser Krankheit sicher noch 10 Jahre leben wird. Und deswegen hat er sich auch nix gegönnt. Ist trotzdem noch arbeiten gegangen, obwohl er es nicht musste und es sich auch leisten konnte, das Leben zu genießen. Das letzte was er sich gegönnt hat, war Silvester einen Schluck eines schweineteuren Whisheys. Wahrscheinlich hätte er wegen seiner Medikamente auch net viel mehr vertragen.

Dieser Abend war soo schön, und absolut keiner von uns hätte auch nur im Traum daran gedacht das es der letzte Jahreswechsel mit M. ist.

Und gerade weil es so ein schöner Abend war und wir soviel zusammen gelacht haben, fühle ich mich jetzt schäbig, das mir ein paar einfache Beileidsworte nicht über die Lippen gehen.

Normal bin ich ein seeehr offener Mensch. Aber mir fällt es z.B. auch sehr schwer jemanden in die Augen zu schauen, wenn er mir zum Geburtstag gratuliert.

Ich kenn nur einen Menschen der so ähnlich veranlagt ist, und  zwar meinen Patenonkel. Ist es wirklich so, das es vorher bestimmt ist, wer Patenonkel oder Patentante wird? Irgendwas muss da dran sein.

Mein Mann hat die gleichen pedantischen Eigenarten wie sein Patenonkel, mein Schwager ist seinem Patenonkel sehr ähnlich , vor allem was das „große Maul“ betrifft.

Und meine ehemalige Klassenlehrerin hat mit vor ein paar Jahren gesagt, dass mein Patensohn sie immer an mich erinnern würde.

Schon sehr seltsam oder.

Jetzt bin ich komplett vom eigentlichen Thema abgekommen. Vlt. ja wieder so eine Verdrängungstaktik. Warum nur?

 

2 Kommentare

  1. sockenanja sagte,

    15. Mai 2008 um 18:37

    … tröstet dich vielleicht ein bisschen – mir geht es genauso. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und neige auch dazu, meine Gefühle eben zu zeigen. Sobald es um Trauer und Tod geht, zieht sich alles in mir zusammen und ich weiss nicht, was ich tun/sagen soll. Es spielt wohl viel zusammen, aber sei sicher, dass deine Freundin – die dich ja kennt – dich sicher nicht für gefühlskalt hält. Du bist für sie da und unterstützt sie, indem du dich um ihr Kind kümmerst, damit sie die nötige Ruhe hat, vieles zu regeln. Das zu tun, zeigt irgendwo auch Gefühl, wenn auch indirekt. Beim mir ist es die „Panik“, weil ich zwangsweise bei dem Thema sofort daran denken muss „was ist, wenn … oder … mal nicht mehr sind“. Zu akzeptieren, dass der Tod (leider) zum Leben gehört wie eine Geburt, ist mir noch nie gelungen. Nun bin ich schon Realist – es IST eben leider so. Allerdings ist es immer schwer damit umzugehen – es ist zudem so endgültig. Besonders traurig, wenn es plötzlich passiert, auch wenn jemand sehr krank ist – es ist und bleibt unbeschreibbar traurig – ein Mensch hinterlässt halt eine Lücke und zeigt einem auch immer ein bisschen, dass man selbst auch nicht ewig auf der Erdkugel wandelt.
    Sei lieb gegrüsst,
    Anja

  2. Bianca sagte,

    20. Mai 2008 um 14:32

    Süße, soll ich dir was sagen ???

    ich kann dich verstehen … und ich glaub nicht, dass du dich wegen irgendwas schäbig fühlen musst.

    Du warst für deine Freundin da, als sie dich gebraucht hat und ich glaub, dass sie weiß, was du empfindest … manchmal versteht man sich ohne Worte viel besser….

    weisst du oft ist es auch so man sagt z.B „ich liebe dich“ …. nur weil es Gewohnheit ist und nicht weil man so fühlt.

    Und so denke ich ist es auch wenn man jemandem sein Beileid ausdrückt.

    ich bin mir ganz ganz sicher, dass deine Freundin weiß, was sie an dir hat.

    Knuddels Bianca


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